Zahlungssysteme: Deutschland zückt die Karte

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58,8 Prozent Umsatzanteil im stationären Handel erzielte die Kartenzahlung in 2021. Foto: Pixabay/Pexels

Die Corona-Pandemie hat das Bezahlverhalten in Deutschland nachhaltig verändert. Das hat das EHI Retail Institute in seiner Studie „Zahlungssysteme im Einzelhandel 2022“ ermittelt.

Verbraucher gaben 2021 mehr Geld pro Einkauf aus

Verbraucher zahlten demnach in den beiden Pandemie-Jahren beim Einkauf deutlich öfter mit Karte. Das zeigt sich am Anteil des Einzelhandelsumsatzes, der signifikant gestiegen ist, so eines der Ergebnisse der EHI-Studie. Die Deutschen gaben zudem 2021 erneut mehr Geld pro Einkauf aus als noch im Vorjahr. Dagegen ist die Zahl der Einkäufe innerhalb der vergangenen zwei Jahre pandemiebedingt erheblich gesunken. Auch die Bar-Transaktionen sind signifikant zurückgegangen.

girocard löst Barzahlung als stärkste Zahlungsart ab

Das Bezahlverhalten der Kundschaft geht immer mehr in Richtung Kartenzahlung, wodurch ihr Umsatzanteil im stationären Handel seit 2019 von 50,5 Prozent auf 58,8 Prozent gestiegen ist. Der Transaktionsanteil der Karte hat von 26,1 Prozent auf 37,9 Prozent zugelegt. Die girocard ist 2021 mit einem Umsatz von 182,4 Milliarden Euro im stationären Einzelhandel zur stärksten Zahlungsart vor der Barzahlung geworden. 42,4 Prozent des Einzelhandelsumsatzes und damit 2,3 Prozent mehr als im Vorjahr konnte der Marktführer auf sich vereinen. Dazu kommen noch 6,0 Prozent, die ebenfalls über die girocard im unterschriftbasierten SEPA-Lastschriftverfahren abgewickelt wurden. Mit einem Plus von 0,5 Prozent liegt der Anteil der Kreditkarte bei neun Prozent (Umsatz: 38,7 Milliarden Euro).

Kontaktloses Bezahlen entwickelt sich zum Standard

Das kontaktlose Bezahlen mit Karte und zunehmend auch per Smartphone hat sich zum Standard entwickelt. Die Deutsche Kreditwirtschaft weist in ihren Statistiken für die kontaktlose girocard eine Steigerung in den Bezahltransaktionen des vergangenen Jahres von 61,1 Prozent auf 72,6 Prozent aus. Für die Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels (LEH) zeigt die EHI-Studie noch höhere girocard-Kontaktlosanteile zwischen 78 Prozent (SB-Warenhäuser) und 87 Prozent (Drogerien).

Besonders deutlich werden die Veränderungsprozesse am POS bei den sinkenden Bargeldtransaktionen. Noch 2019 generierte die Kundschaft 46,5 Prozent des Umsatzes mit Bargeld – in 14,58 Milliarden Einkäufen. Bereits im ersten Corona-Jahr 2020 sind rund 2,5 Milliarden Bar-Transaktionen verlorengegangen. 2021 waren es insgesamt nur noch 10,11 Milliarden Einkäufe, bei denen die Verbraucher zu Scheinen und Münzen griffen. Der Bar-Umsatzanteil ist um 2,4 Prozent auf 38,5 Prozent zurückgegangen.

Kunden kaufen seltener, aber dafür mehr ein

Gestiegen ist dagegen der durchschnittliche Einkaufsbetrag im deutschen Einzelhandel. Der Durchschnittsbon lag 2021 bei 25,90 Euro (Vorjahr: 23,84 Euro) und hat sich damit innerhalb von zwei Jahren um 16 Prozent erhöht, während der gesamte stationäre Umsatz 2021 von 435 Milliarden Euro auf 430 Milliarden Euro geschrumpft ist. Aufgrund der Kontaktbeschränkungen ging der Trend dahin, den Handel weniger aufzusuchen, dann aber erheblich mehr einzukaufen und gleichzeitig einen wesentlichen Anteil der Einkäufe außerhalb des täglichen Bedarfs online zu tätigen. Dies hat die Zahl der Einkäufe binnen zwei Jahren von 20 auf 16,6 Milliarden schrumpfen lassen. Gleichzeitig ist nach ersten Berechnungen des EHI der Online-Umsatz (brutto) in diesen zwei Jahren von rund 60 Milliarden Euro auf mindestens 100 Milliarden Euro gestiegen.

Bei immer weniger vereinnahmtem Bargeld stieg angesichts immer weniger verfügbarer Geldautomaten das sogenannte Cash-Back-Volumen spürbar an. Knapp 90 Prozent der LEH- und Drogeriemärkte, die im EHI-Panel „Zahlungssysteme“ vertreten sind, bieten bereits den Service Bargeldauszahlung. Der durchschnittliche Auszahlungsbetrag lag stabil bei rund 95 Euro. Jeder zehnte vereinnahmte Euro wurde so im vorigen Jahr wieder an die Kunden ausgegeben. Vor zwei Jahren waren es gerade einmal 2,8 Prozent.