Wirtschaft & Politik

Zertifizierung: Aufwand ist bei Weihnachtsbäumen überschaubar ZertifizierungskostenInhalte des Standards für Blumen und ZierpflanzenAnerkannte Zertifizierungsstellen für Blumen und ZierpflanzenZertifizierungsoptionen

Die Mehrheit der in Kassel zum Jahrestreffen im Februar gekommenen Mitglieder des Bundesverbandes der Weihnachtsbaum- und Schnittgrünerzeuger in Deutschland sind keine Anhänger von Zertifizierungssystemen – gleich welcher Art. Dennoch dürfe man sich dem nicht verschließen, wenn ein Zertifikat vom Handel beziehungsweise vom Verbraucher verlangt und erwartet werde, so der Tenor, selbst wenn es aus dem Blickwinkel der Betriebe zusätzlicher Formalismus und bürokratischer Mehraufwand bedeute. Deshalb informierten sich die Teilnehmer aus erster Hand über das Zertifizierungssystem Global-G.A.P., dem sich vereinzelt Kollegen bereits angeschlossen haben.

Es könnte nur eine Frage der Zeit sein, bis auch für Weihnachtsbäume ein Umweltzertifikat vom Handel und Verbraucher verlangt wird.Foto: Liebgard Jennerich

Frederik Callens, Manager Finance and Operations Development von Global-G.A.P., gab dazu grundlegende Informationen. Global-G.A.P. sei eine privatwirtschaftliche, nicht staatliche Organisation, die Standards entwickelt hat, um weltweit das Vertrauen der Verbraucher in die landwirtschaftliche Erzeugung von Nahrungsmitteln, zu erhalten.

G.A.P. steht für „gute Agrarpraxis“ und hat freiwillige Standards zur Zertifizierung von landwirtschaftlichen Produkten (inklusive Aquakulturen) gesetzt. Um die weltweite Standardisierung der Zertifikate zu fördern, wurde das Benchmarking-Verfahren entwickelt, mit dem bereits vorhandene, auch nur regional ausgerichtete Qualitätssicherungssysteme geprüft und bei äquivalentem Standard auch anerkannt werden.

Ziel ist, die unterschiedlichen Standards weltweit zu optimieren und zu harmonisieren. Global-G.A.P. sei eine Mitgliederorganisation, erläuterte Callens weiter. In deren Gremien seien vor allem Einzelhändler und Produzenten vertreten, jedoch können alle Interessenten in verschiedenen technischen Gremien an der Entwicklung des Standards mitarbeiten. Es sei eine Business-to-Business-Organisation, die beim Konsumenten nicht sichtbar werde. Ursprünglich für Gemüse entwickelt, will Global-G.A.P. heute für die Landwirtschaft insgesamt erreichen, dass umweltschädliche Einflüsse verringert werden, der Einsatz von Medikamenten und chemischen Pflanzenschutzmitteln reduziert wird und Maßnahmen für die Sicherheit und Gesundheit von Mensch und Tier umgesetzt werden.

Deshalb wurde Global-G.A.P inzwischen auf viele Produktgruppen erweitert. Das Basismodul Pflanzen umfasst fünf Sektoren, einer davon ist Blumen und Zierpflanzen gewidmet. Hierunter werden auch die Weihnachtsbäume geführt. Es gibt im Sektor Blumen und Zierpflanzen weltweit über 600 Mitgliedsbetriebe in 24 Ländern. In jedem Land werden die Zertifizierungen von anerkannten Zertifizierungsstellen vorgenommen.

Im Bereich Blumen und Zierpflanzen sind dies weltweit 23 Stellen. Die aktuelle Liste ist unter http://www.globalgap.org/cms/front_content.php?idcat=30 abrufbar. Dort sind auch zwei Stellen in Deutschland aufgeführt. Nach erfolgreicher Zertifizierung können die Produzenten das Global-G.A.P.-Logo im B2B-Verkehr nutzen, nicht direkt am Endprodukt. Allerdings kann beispielsweise die Global-G.A.P.-Nummer am Produkt, den Lieferscheinen und anderem zur Rückverfolgung vermerkt werden. Lohnt sich eine solche Zertifizierung für Weihnachtsbäume? Global-G.A.P. sagt ja, denn die Organisation hat in letzter Zeit ein gesteigertes Bewusstsein der Verbraucher für umweltgerechte Produktionsbedingungen festgestellt. Einige dänische Produzenten haben sich im vergangenen Jahr zertifizieren lassen.

Wie die in Kassel anwesenden dänischen Produzenten versicherten, war das ein problemloses Prozedere, weil viele der geforderten Standards in Dänemark ohnehin Pflicht seien, etwa die Begrenzung der Düngermengen auf 75 Kilogramm Stickstoff pro Hektar und Jahr. Da es sich bei Weihnachtsbäumen nicht um essbare Produkte handelt, ist der Aufwand für das Ausfüllen der Formulare im Vergleich zu Obst und Gemüse zeitlich überschaubar, beträgt nur etwa zehn Prozent des normalen Umfangs.

Allerdings habe jede Frage einen Sinn. Sie ziele darauf ab, verborgene Risiken aufzudecken. Es gibt Zertifizierungen für Erzeugergruppen, die zwei Drittel der Zertifizierten gewählt haben, und Einzelerzeuger-Zertifikate. Kontrolliert wird in den Folgejahren sowohl in Eigenregie als auch jährlich einmal durch einen externen Prüfer. Der dafür erforderliche Zeitaufwand liegt nach ersten Erfahrungen aus Dänemark bei einer halben bis einer ganzen Stunde pro Jahr. Insgesamt dauert es wohl durchschnittlich zwei Jahre, bis ein Betrieb zertifiziert ist.

 Callens stellte sogar in Aussicht, dass der Fragenkatalog für Weihnachtsbäume und Schnittgrün und die Regeln noch weiter vereinfacht werden können durch eine Weiterentwicklung in den entsprechenden technischen Arbeitsgruppen. Die erforderlichen Dokumente für die Anwendung der Standards stehen dort zum Download bereit: http://www.globalgap.org/cms/front_content.php?idart =1375&idcat=176&changelang=2 oder: www.globalgap.org - Standards - Kontrollierte Landwirtschaft - Blumen und Zierpflanzen