Zieht NRW beim Verbot von Schotterwüsten nach?

Veröffentlichungsdatum:

Laut Untersuchungen haben selbst die großen städtischen Parkflächen nur eine lokal begrenzte Wirkung, deshalb spielen für das Klima vor Ort auch die kleinen, privaten Grünräume eine immer wichtigere Rolle. Foto: VGL NRW / GPP

Die Debatte um Schotterwüsten in privaten Vorgärten wird nach wie vor heiß diskutiert. Baden-Württemberg ging erst kürzlich als Beispiel voran und verbietet diese künftig per Gesetz auf Privatgrundstücken. Auch beim VGL NRW macht man sich Gedanken um die „Gärten des Grauens“, setzt aber eher auf Überzeugungsarbeit statt Verbote.

Kommunen wollen Klimawandel entgegentreten

Die Auswirkungen des Klimawandels zeigen sich insbesondere in hochverdichteten Stadtzentren, sowie den Gewerbe- und Industriegebieten mit geringem Grünflächenanteil. Höhere Lufttemperaturen und einer damit einhergehenden stärkeren gesundheitlichen Belastung der Bevölkerung sind dabei die Folgen. Als bevölkerungsreichstes Bundesland sei Nordrhein-Westfalen mit vielen Großstädten und Industriegebieten in besonderem Maße betroffen. Daher werden in vielen Kommunen konkrete Klimaanpassungsstrategien entwickelt. Langfristig angelegte Untersuchungen zeigen, dass selbst die so wichtigen großen städtischen Parkflächen eine räumlich begrenzte Klimawirkung haben. Daher scheint es umso wichtiger, dass auch kleine Grünräume bis hin zu privaten Vorgärten in die Überlegungen mit einbezogen werden. „Moderne Stadtentwicklung versteht die öffentlichen Grünflächen, aber auch Privatgärten und nicht zuletzt die Dach- und Fassadenbegrünung als Gesamtsystem. Wenn wir die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen verbessern wollen, kommt es auf jeden Quadratmeter an“, erklärt H. Christian Leonhards Präsident des Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nordrhein-Westfalen (VGL NRW). Vor diesem Hintergrund sei auch die Debatte um Schotterwüsten in Vorgärten zu verstehen, die inzwischen in nahezu allen Stadt- und Gemeinderäten in Nordrhein-Westfalen intensiv geführt werde.

Baden-Württemberg geht als Beispiel voran

Der baden-württembergische Landtag stimmte erst kürzlich dem Gesetzentwurf zur Änderung des Naturschutzgesetzes und des Landwirtschafts- und Landeskulturgesetzes zu. Darin vorgesehen ist neben einer rechtlich verbindlichen Stärkung der Biodiversität, unter anderem ein Verbot von Schottergärten auf Privatgrundstücken (TASPO Online berichtete). „Im Einklang mit Naturschutz- und Landwirtschaftsverbänden haben wir heute ein Gesetzespaket beschlossen, das sich wirklich sehen lassen kann. Ich bin überzeugt, dass es nicht nur landesweit große Beachtung finden, sondern auch auf Bundesebene richtungsweisend sein wird“, sagte Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller bei der Verabschiedung des Gesetzes. Für Nordrhein-Westfalen trifft das ganz sicher zu, betont der VGL NRW, schließlich seien in vielen NRW-Kommunen auf Basis der Landesbauordnung bereits Vorgartensatzungen beschlossen worden, die auf lokaler Ebene ebenfalls Verbote von Schottergärten festschreiben.

Gemeinsam mit Kommunen

„Es geht nicht um ästhetische Aspekte oder Geschmacksfragen, sondern darum, wie wir in Zukunft leben wollen. Der Klimawandel zwingt zu wirksamen Anpassungsmaßnahmen, aber darüber hinaus gibt es erhebliche Synergieeffekte durch die strategische Nutzung der grünen Infrastruktur“, sagt Leonhards. Zu berücksichtigen seien dabei auch die Vernetzungen von öffentlichen und privaten Grünflächen als wichtige Lebensräume für Insekten und Vögel, die dann gleichzeitig Naturerfahrungsräume für die Menschen sind. Zudem hätten (Vor-)Gärten eine soziale Bedeutung als Begegnungsräume für die Nachbarschaft, so Leonhards weiter.

Enger Schulterschluss zwischen Verband und Lokalpolitik

Allerdings setze die Branche nicht auf Verbote, vielmehr will man mit Argumenten überzeugen, weshalb 2017 mit der Initiative „Rettet den Vorgarten“ eine Informationsoffensive gestartet wurde. Auch in seinem Positionspapier zur Kommunalwahl 2020 betont der Verband den engen Schulterschluss der Branche mit der Lokalpolitik und -verwaltung: „Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, steigende Erwartungen an den öffentlichen Raum, aber auch neue Sortimente, neue Formen der Pflanzenverwendung und angepasste Pflege- und Unterhaltungsaufgaben brauchen starke Grünflächen- aber auch Umweltämter. Der Garten- und Landschaftsbau steht den Kommunen zur Seite und bietet mit seiner breiten Expertise die Voraussetzungen für eine attraktive und funktionierende Grüne Infrastruktur. Gemeinsam mit Kommunen, Institutionen und Unternehmen tragen wir dazu bei, nachhaltige Konzepte umzusetzen und so die ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Weiterentwicklung unserer Städte und Gemeinden zu unterstützen.“

Cookie-Popup anzeigen